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myspace

Empörend (um wie Hagen Rether zu beginnen)! Nur muss ich nicht empört werden, ich bin es schon... Allseits bekanntes Phänomen: Man ist ja weltoffen. Und kommunikativ. Und verschliest sich nicht vor den Salbungen des 'Web 2.0'. Nennt man auch soziale Netzwerke. Und wie beim Einkaufen – was ja an sich nützlich und gewinnbringend ist – gibt es auch dort Ärgernisse, die den Spass verderben. Nicht etwa vollkommen überassimilierte Profile, die Niveau grundsätzlich nur von unten als Arroganz betrachten (wobei man sich fragt, wo die den Begriff von Niveau her haben) und immer öfter härter vorglühen als andere Bierschiss haben oder so, nein, diese sozial aktiven Post-Primaten kann man ja wenigstens noch in die Kategorie 'Vollpfosten – erträglich ab 10 Bier' einordnen. Auch nicht die BWL-Lackaffen mit über 1000 bestätigten Kontakten bei xing, aber weniger als 10 aktiven Synapsen im Grosshirn, die mit 13 zwar einen Bätscheler mit Eins Komma schlagmichtot, aber den Wissensstand eines Vierjährigen (ohne dessen Perspektive) haben. Die sind auch zu ertragen, seit die 'Ignorieren'-Funktion erfunden wurde. Und selbst diese mitteilungssüchtigen Ganztagsdeppen, die sich irgendwann bei Jade-Vanille-Lotustee in Grundschullehrer verlieben und aufs Land ziehen (bis ihnen alles zu viel wird, sie den 13 jährigen übergewichtigen Sohn, die 11-jährige magersüchtige Tochter und den komplett perspektivlosen Grundschullehrer verlassen, in die Stadt zurück ziehen und auf Fenchel-Anis-Kümmeltee umsteigen), selbst die sind zu ertragen (wobei es hier keine Verhaltensvorschrift gibt – der Volksmund sagt ab so ungefähr 2,5 Promille). Die Muttis der Supermärkte, die Pest sozialer Netzwerke, der definitive Tod jeglicher Intelligenz sind Personen, die meinen, ihre kümmerliche Existenz und ihren beschränkten Horizont durch tolle Designs oder tolle Animationen bei myspace aufpeppen zu können. Wer so etwas tut, hatte nur einen sozialen Kontakt in der Jugend: Die Faust vom Klassenschläger. Wer so etwas tut, den hat Mama nie an die Brust gelassen, weil sie das Kissen nicht von seinem Gesicht nehmen wollte. Wer so etwas tut, hat ein Aufmerksamkeits-Defizit-Syndrom. Und er hat es zurecht. Stellen wir uns ein solches bemitleidenswertes Mitglied der intellektuellen und gesellschaftlichen grauen Masse doch einmal vor: Mutterseelenallein sitzt er des abends vor dem Rechner (gerne auch sie), nach einem erlebnisreichen Tag, an dem er (sie) erst auf Arbeit bei irgendeiner bedeutungslosen, regionalen Krankenversicherung Fälle wie 'Dachdecker verstaucht sich Zeh' oder 'Angestellter hat Schnupfen' bearbeitet hat, danach im ebenfalls regionalen Kunst- und Kulturzentrum dadaistische Bilder von Seifenblasen gemalt hat und danach noch zur Entspannung etwas reiten war, auf einem gutmütigen Pony, was nur noch zwei Wochen von der Mutation zur Bulette entfernt ist. Seine Jugend hat ihn gestählt (weil damals nicht mal der Hund mit ihm spielen wollte). Seine 'Freunde' (elendige Vollspasten, die genau so sind wie er (sie)) trifft er auf myspace und im icq. Da geschieht es! Ein Bekannter (Peter Meyer, Michael Schmidt oder auch gerne mal Lieschen Müller) hat sich ein neues Design von einer In-Seite herruntergeladen. Und das steht jetzt auf myspace. Und das ist ja soooooooo bunt und sooooo cool und sooooo – fuck you... Zehn Minuten Plausch im icq später ist er auch auf der Seite und hat sich auch eins ausgesucht. Drei Stunden Klicken und 34,90 Euro telefonieren mit dem Kundendienst später ist es auch auf Seiner Seite. Schön bunt und streifenfrei lackiert. Gleichzeitig sitze ich vor dem Rechner, klicke mich gelangweilt durch Profile und brauche ganze Mondphasen um das Profil eben jenes Ritalinjunkies zu öffnen. Argh. Aber das Ganze geht ja noch weiter. Nicht, dass die IKEA-Hochglanzfamilie von den Plakaten der Dreisitzerabteilung (bissi Tommy Jaud muss einfach sein) jetzt schon am Ende wäre. Da hat man nach dem man Essen, Baden, vorher Scheissen, Dreimal an der Uni und 15 Mal im Puff war nun endlich die super-mega-donner-Grafik (bei der man auf einem 72-Zoll TFT-Monitor nur zwei Wochen scrollen muss, um ans andere Ende zu kommen) von Genosse Graufink endlich eingeladen (den Hintergrund für die myspace-Seite – die ganzen Animationen würden noch unzählige Essen, mindestens 20 bestandene Prüfungen und eine All-Inclusive-VIP-Member-Card im Night Affairs bedeuten), der Text auch schon – und was stellt man fest? Richtig, Dr. Cool mit dem letzten Flyer vom Highfield als Profilbild und dem unglaublich kreativen wie auch nichts-(oder manchmal auch grade viel-)sagenden Szene-Nickname hat darauf geachtet, dass man vor lauter ganz doller Grafik das, was er aufs Profil getippt hat nicht lesen kann. Schwarze Schrift auf größtenteils schwarzem Hintergrund. Impossibile. Elender Klappspaten!!! Aber auch hier gibt es natürlich eine Lösung (nachdem man die 20 Prüfungen bestanden hat und die Clubkarte – naja, reden wir nicht drüber...). 'Bearbeiten' 'Alles markieren' Na bitte. Nur das letzte Meisterstück, das erfährt man erst jetzt: Man hat es tatsächlich mit Peter Meyer zu tun, der Michael Schmidt tatsächlich auf seiner Seite für das tolle Design dankt und wirklich Sachbearbeiter bei der AOK Tiefost ist, Hobbys: Malen, reiten. OK, gelbeseiten.de, Suchbegriff 'Plutonium'. Argh....
6.9.09 19:29
 


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